Wer waren die Kelten?

Mit „Kelten“ ist ein Volk gemeint, das sowohl in antiken als auch in modernen Zeiten florierte.  Heutzutage bezieht sich dieser Ausdruck oft auf die Kulturen, Sprachen und Menschen, die in Schottland, Irland, anderen Teilen der britischen Inseln und der Bretagne in Frankreich angesiedelt sind.

„Heutzutage haben sechs keltische Sprachen überlebt — die Gälische Sprachgruppe, bestehend aus Irisch, Schottisch-Gälisch und Manx und die Bretonische Sprachgruppe, die aus Walisisch, Bretonisch und Cornisch besteht“, schrieb der jetzt verstorbene Professor Dáithí Ó hÓgáin in seinem Buch „The Celts: A history“ (The Collins Press, 2002). Er erwähnte, dass Manx und Cornisch zunächst ausstarben, aber jetzt wiederbelebt wurden.

Die Beziehung zwischen den modernen Kelten und ihren antiken Vorfahren ist eine umstrittene Angelegenheit und Gelehrte haben verschiedene Meinungen darüber. Sprachen ändern sich im Laufe der Zeit und Menschen ziehen um, daher ist es eine offene Frage inwiefern die modernen Kelten, ihre Sprachen und Kulturen noch mit den antiken Kelten verwandt sind.

Nichtsdestotrotz haben die Kelten, sowohl die Antiken als auch die Modernen, die Menschheit mit fantastischer Kunst, Kultur und Geschichten über Kriegsgeschick, bereichert.

Antike Kelten

Die Kelten wurden zum ersten Mal vor 2500 Jahren in Texten erwähnt. Viele der antiken Quellen stammen jedoch von Griechen, Römern und anderen Nicht-Kelten.

Beweise deuten darauf hin, dass die Kelten über große Teile des kontinentalen Europa verteilt waren. Ihr östlichster Lebensraum war die heutige Türkei und sie waren sogar als Söldner für die ägyptische Königin Kleopatra tätig. Sie waren niemals politisch als Volk vereint, sondern bestanden aus verschiedenen Gruppen, einschließlich Galliern (aus Gebieten einschließlich Frankreich) und Keltiberern (in Iberien ansässig).

Sie sprachen verschiedene Sprachen und „aufgrund der Größe des Sprachbereichs ist es eigentlich eher unwahrscheinlich, dass alle Menschen, die von den Griechen und Römern als Kelten bezeichnet wurden, in der Lage gewesen wären in derselben Sprache miteinander zu kommunizieren“, schrieb Felix Müller vom historischen Museum in Bern, in seinem Buch „Art of the Celts: 700 B.C. to A.D. 700” (Historisches Museum Bern, 2009).

Er merkte an, dass es auch schwierig sein kann bestimmte Kunstwerke als „keltisch“ zu identifizieren. Aber wenn wir uns die Kunst ansehen, die aus den Gebieten stammt in denen die Kelten angeblich eine Blütezeit erlebt haben, dann können wir einige der Wunder sehen, die sie erschaffen haben. Sie haben zum Beispiel vor mehr als 2500 Jahren ein goldenes, rundes Objekt mit einem Durchmesser von weniger als einem Zoll, das „mit ungefähr 3600 Körnchen verziert“ war , in einem Grabhügel in Ins, in der westlichen Schweiz, hinterlassen, ein Beispiel für ihre Fähigkeiten komplizierte Gegenstände aus Gold herzustellen. Ebenfalls sind die keltischen Symbole und Zeichen bestimmt schon jedem von uns einmal über den Weg gelaufen.

Antike Schriftsteller haben weniger dazu tendiert über die künstlerischen Errungenschaften der Kelten zu schreiben, als über ihren Ruf als wilde Krieger. Die Gallier haben Rom im Jahre 390 vor Christus erfolgreich geplündert. Ein Jahrhundert später erhielt Alexander der Große eine Gruppe Kelten während seiner Feldzüge.

„Der König empfing sie freundlich und fragte sie während sie tranken, was sie am meisten fürchteten, in der Annahme, dass sie seinen Namen nennen werden, aber sie antworteten, dass sie niemanden fürchten, außer dass der Himmel ihnen auf den Kopf fallen würde“, schrieb der griechische Schriftsteller Strabo, der ungefähr 64 vor Christus lebte. – 24 vor Christus (Übersetzung durch die Perseus Digital-Bibliothek).

Nackt kämpfen?

Es wurde erzählt, dass manche Kelten sich komplett ausziehen würden bevor sie in die Schlacht ziehen; eine Handlung um ihre Feinde psychologisch zu beeinflussen.

„Ihre Erscheinung und die Handlungen der nackten Krieger ganz vorne waren auch sehr Furcht einflößend, alle im besten Alter und gut gebaute Männer und alle führten Gruppen an, die reichlich verziert mit goldenen Torques und Armbändern waren“, schrieb Polybius (200-118 vor Christus) in einem Bericht über eine Schlacht in der sie gegen die Römer kämpften.  (Übersetzung durch die Universität Chicago Penelope Webseite)

Vielleicht war es auch kein Zufall, dass antike Quellen berichteten, dass die Kelten es verabscheuten übergewichtig zu sein und es dafür sogar Strafen gab. Strabo zitierte einen anderen Schriftsteller namens Ephorus und schrieb: „dass sie danach strebten nicht fett oder dickbäuchig zu werden und jeder junge Mann der das Gurtmaß überschritt bestraft wird“.

 

Keltische Religion

Obwohl die Kelten schlussendlich christianisiert wurden, zusammen mit einem großen Teil des römischen Reichs (zu einer Zeit in der die Römer viele ihrer Ländereien eroberten), geben antike Quellen Hinweise auf die religiösen Glaubensvorstellungen der Kelten.

Ein Gedicht von Lucan (39-65 nach Christus) beschreibt eine Baumgruppe, die den Kelten heilig war. Zusammen mit anderes Quellen deutet es an, dass es Menschenopfer gab.

„Dort stand eine Baumgruppe

Bei der sich von Anbeginn der Zeit kein Mensch

Traute sie zu zerstören; versteckt von der Sonne…“

„Weder Waldnymphen

Noch Pan fanden hier ein Zuhause, aber barbarische Riten

Und barbarische Gebete, mit schrecklichen Altären

Auf massiven aufgestellten Steinen; geheiligt mit Blut

Von Männern war jeder Baum…“

Die Kelten waren an der druidischen Religion interessiert. Robert Wisniewski von der Universität Warschau merkte in einem Artikel, der im Palmedes Journal veröffentlicht wurde, an, dass im Jahre 43 vor Christus, Pomponius Mela folgendes über die Gallier schrieb:

“Und trotzdem haben sie ihre eigene Sprachfertigkeit und ihre eigenen Lehrer für Weisheit, die Druiden. Diese Männer behaupten, dass sie die Größe und die Form der Erde und des Universums, die Bewegungen des Himmels und der Sterne und die Absichten der Götter kennen…“ schrieb er. “Einer der Grundsätze die sie lehren — offensichtlich um sie zu effektiveren Kämpfern zu machen — nämlich dass ihre Seelen unsterblich sind und es ein Leben nach dem Tod gibt, ist mittlerweile allgemein bekannt”. (Übersetzung durch E.F Romer)

Keine Kelten im antiken Großbritannien!?

Bemerkenswerterweise glauben jetzt einige Gelehrte, dass die antiken Kelten nicht in Großbritannien lebten, sondern nur auf dem europäischen Kontinent, mit den östlichsten Siedlungen in der Türkei.

John Collis, ein Archäologieprofessor an der Universität Sheffield, schreibt dazu in seinem Buch „The Celts: Origins, Myths and Inventions” (Tempus, 2004), dass antike Schriftsteller über Kelten schrieben, die im kontinentalen Europa lebten, aber nicht auf den britischen Inseln. Er merkte an, dass Strabo tatsächlich „Briten von Kelten unterscheidet“.

Er schreibt, dass Begriffe wie Kelte oder Gallier „nie für die Bewohner der britischen Inseln verwendet wurden, außer sehr allgemein für alle Bewohner des westlichen Europa, einschließlich der Basken, die keine indoeuropäische Sprache sprachen“.

Seine Analyse wird von Professor Simon James von der Universität Leicester unterstützt, der in einer Rezension zu Collins Buch, die im britischen Archäologie Magazin erschien, schrieb, dass viele Menschen, die glauben zu „wissen“, dass Großbritannien in der vorrömischen Zeiten von antiken Kelten bevölkert war, erstaunt sind zu erfahren, dass viele Spezialisten für die britische Eisenzeit diese Idee vor Jahrzehnten aufgegeben haben.

Die Frage ist nicht weshalb so viele britische (und irische) Archäologen die Idee von antiken Insel-Kelten aufgegeben haben, sondern wie und weshalb wird überhaupt darauf gekommen sind, dass es jemals welche gab.  Es ist eine moderne Idee; die antiken Inselbewohner haben sich niemals selbst als Kelten bezeichnet, ein Name der für die kontinentalen Nachbarn bestimmt war.

Kelten in der Türkei?

Obwohl die Gelehrten die Idee von Kelten im antiken Großbritannien aufgeben, finden sie Beweise dafür, dass die Kelten in der Türkei floriert haben.

„Im Jahre 278 vor Christus begrüßte König Nicomedes I. von Bithynien 20.000 europäische Kelten als Verbündete; Veteranen die zwei Jahre zuvor erfolgreich in Makedonien eingefallen sind. Diese Krieger, die sich selbst Galatai nannten, marschierten ins nordwestliche Anatolien ein, mit 2000 Gepäckwagen und 10.000 Nicht-Kämpfern: Versorger und Händler und auch Frauen und Kinder“, schrieben die Forscher Jeremiah Dandoy, Page Selinsky und Mary Voigt 2002 in einem Artikel im Archaeology Magazine.

Bei Ausgrabungen in Gordion, in der Türkei, fanden sie Beweise für die kulturellen Praktiken, die sie als keltisch interpretierten. Sie fanden „schaurige Beweise für Strangulierungen, Enthauptungen und bizarre Anordnungen aus menschlichen und tierischen Knochen. Solche Praktiken waren sehr bekannt von keltischen Stätten in Europa und wurden jetzt ebenfalls für anatolische Kelten dokumentiert“.